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Ein neuer Stern am Politikhimmel ist aufgegangen: die Piratenpartei. Um ein wenig besser zu verstehen, was da auf uns zukommt (im Moment würden angeblich immerhin 12 Prozent der Bundesbürger die Neulinge wählen), habe ich mich vor einigen Tagen in die Mailing-Liste der Münchner Piraten eingetragen.
Mailing-Listen sind etwas Wunderbares: Man bekommt live und ungefiltert alles mit, was sich die Mitglieder einer Organisation zu sagen haben. Das kann einen bereichern, verwirren, kalt lassen oder aufregen – und bisweilen auch ziemlich amüsieren. Bis vor kurzem etwa war ich ein stiller Abonnent der Attac-Mailingliste. Dort werden nicht nur Globalisierungsthemen diskutiert – sondern bisweilen auch, ob man Radio Arabella boykottieren sollte. Nicht etwa wegen der Musik, sondern weil es einen Bundeswehr-Werbespot gesendet hat.
Auch bei den Piraten bekommt man viel Menschliches und allzu Menschliches mit. Vor allem aber – und das mag einige Kritiker verwundern – jede Menge politisches Engagement. Die von den Piraten geforderte Transparenz ist in jedem Punkt nachzuvollziehen. Völlig egal, ob man Parteimitglied ist oder nicht: Die Diskussionen werden offen geführt, Tagesordnungen zum Bearbeiten frei gegeben, AGs im Handumdrehen gegründet. Manch einer sieht im Erfolg der Piraten eine Politikverdrossenheit – ich denke, dass das Gegenteil der Fall ist. Die Menschen sind froh, dass sie endlich wirklich mitwirken dürfen, dass jedes Thema grundsätzlich erst mal ernst genommen wird, dass es eben kein Programm gibt, das alles in feste Schranken weist.
Bei der Piratenpartei ist Politik ein Prozess, der sich ständig vor den Augen aller weiterentwickelt. Ob die Piraten das durchhalten können, ob sie irgendwann doch in die üblichen Verhaltens- und Machtmuster verfallen, bleibt abzuwarten. Für's erste darf es aber nicht Wunder nehmen, dass diese neue Partei die deutsche Politik komplett umkrempelt.
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