06.01.2014 | Future Living

Cover FL

Seit kurzem erhältlich: Future Living. Gemeinschaftliches Wohnen in Japan.
Now available: Future Living. Collective Housing in Japan.

 

Projektbeispiel Yokohama Apartment, ON Design & Partners

 

18.09.2013 | Karma Chakhs



Kleidung und Schuhe zu kaufen ist kein pures Vergnügen, sondern oft auch ein Dilemma: Zu fairen Bedingungen produzierte Waren sprengen bei so manchem das Budget, doch gleichzeitig will kaum jemand die Ausbeutung von Menschen unterstützen. An der Spitze der No-go-Charts stehen dabei oft Top-Marken, die in Billigländern zu unwürdigen Bedingungen produzieren lassen und ihre Produkte in Europa teuer verkaufen.



Der Berliner Van Bo Le-Mentzel hat mit einer Crowd-Funding-Aktion bei der Plattform Startnext gezeigt, wie faire Produktion in Zukunft aussehen könnte. Seine „Karma Chakhs“ kosteten soviel wie die regulären Chucks, die inzwischen von Nike produziert werden. Doch anders als das bekannte Vorbild hat der Berliner Designer die Produzenten sorgfältig ausgewählt. Die Schuhe selbst würden übrigens eigentlich nur 40 Euro kosten – Le-Mentzel unterstützt mit der Differenzsumme zu den 70 Euro, die er für die Schuhe verlangt, Bildungsprojekte in den Ländern, in denen er produzieren lässt. 



Leider ist die Aktion schon wieder vorbei – glücklich, wer seit einigen Wochen ein Paar der fair produzierten Schuhe sein eigen nennen kann. Vielleicht macht Le-Mentzels Beispiel aber auch Schule, sodass schwarmfinanzierte, faire Produktion ein Thema der Zukunft wird.

22.12.2012 | Thoughts about Japan



Even though I have lived in Japan only for two years, it has become something like a second home for me. That's the reason why I follow the things happening there with great interest and passion. And that's why I am going to write about political issues of a country which is not mine – and hope that it will not be interpreted as the arrogance of a foreigner. But actually I am quite sure a lot of my japanese friends think quite the same.

Directly after the Earthquake- and Tsunami-catastrophe in 2011 the most important slogans were „ganbarou“ and „tsunagarou“, meaning „Be strong!“ and „Unite!“. It is okay if you try to alleviate a collective shock with a feeling of togetherness. Actually the Japanese felt solidly united anyway, everyone was a bit „Touhoku“ that time. It's naturally that there wasn't much space for a debate about Fukushima and what happened there back then. If whole cities are erased from the map, it is not appropriate to react to the hard-to-grasp threat of nuclear radiation in a way like some European countries did. The Japanese needed some time to get back to life. The solution, their very own way to handle things, could have been found later, when everybody is ready for it.

But now it seems that Japan just skipped the whole process of coming to terms with what happened. In the last election one week ago, Japanese people voted very conservative. It is likely that they are heading to a phase of restoration, judging this as the only way to get back to their political and economical strength. Because of its belief in the future, Japan was a pioneer in the field of High Tech for a very long time. Now, the japanese decided to take a way which leads to the past. Or rather: to leave it to politicians without visions, but with a lot of nationalist candy for those who are in doubt about what is going to come. Is future and change really that horrifying?

There are only few people still actively protesting against nuclear power. Why did the japanese turn away from this topic, even though they had Fukushima? Asking people about this, they say: „It was simply not bad enough.“ In Japan, the accident in Fukushima is generally accepted as the worst thing that can happen to a nuclear plant if it is damaged. Right now, this means an evacuation area of about 200 km² (an area about half as big as the Bodensee), which is already partly cleaned and might be inhabited again soon. The possible long-time-consequences are judged as „rubbish“ by many japanese. People rather believe those who messed it up than those who always warned against nuclear power.

I would hope so much that the japanese press starts to be a lot more critical with its politicians, a lot more critical with the big companies which are closely connected to the political circles. But rather than that, press, politicians and economical forces seem to regard each other as the players of the same game. A tough press might help to change things, but it seems that all players agree that you shouldn't foul your own nest, no matter how unsustainable it has become already.

25.08.2012 | Eine Vision für München

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Experimentelle Architektur hat in München nur selten eine Chance – spätestens seit dem Aus für die Werkbundsiedlung Wiesenfeld von Kazunari Sakamoto hat sich der Ruf der bayerischen Hauptstadt als Hort eher konservativer Baukunst zementiert. Von wenigen Ausnahmen, etwa die Aufstockung der Salvatorgarage durch Peter Haimerl oder dem Entwurf für das Kreativquartier Dachauer Straße abgesehen, entsteht in der Stadt kaum Visionäres.

Wie anders mussten da die Sechziger gewesen sein! Schließlich entstand damals in kürzester Zeit ein Ensemble, das bis heute wirkt wie von einem anderen Stern: die Münchner Olympiabauten. Dass der Entwurf von Frei Otto und Günther Behnisch nicht von Anfang an für die 20. Olympischen Spiele vorgesehen war, lässt sich unter anderem in der aktuellen Ausgabe der MUH nachlesen: Es gab einen Vorgängerentwurf der Architekten Henschker und Deiß, mit dem sich die Stadt München 1966 für die Olympischen Spiele beworben hatte. Wären damals nicht der Deutsche Werkbund und der BDA für einen alternativen Entwurf in die Bresche gesprungen, dann wäre es wohl bei dem utopiefreien Konzept und den eher klobigen Sportstätten geblieben. Der BDA formuliert seine Kritik im Juni 1966, ohne den Entwurf der Architekten Henschker und Deiß direkt zu erwähnen: „Es bedarf nicht des Hinweises auf das Nürnberger Reichsparteitagsgelände, um klarzumachen, dass der bauliche Ausdruck dieser ersten Olympischen Spiele in Deutschland nach 1945 von nichts weiter entfernt zu sein hat als von hohler und in fataler Weise erinnerungsträchtiger Monumentalität.“ Das reichte, um den Münchner Oberbürgermeister und den NOK-Präsidenten Willi Daume von der Notwendigkeit eines Architekturwettbewerbs zu überzeugen, den 1967 schließlich Günter Behnisch, Frei Otto und der Landschaftsarchitekt Günther Grzimek gewannen. Damals scheinen Politiker noch auf Architekten gehört zu haben.

Ob die Begeisterung für den Entwurf während der Ausführungszeit stets ungebrochen war, ist zweifelhaft: Schließlich wurden die veranschlagten Kosten von 18 Millionen DM am Ende angeblich um satte 170 Millionen DM übertroffen. Morgen jährt sich die Eröffnung der Olympischen Spiele in München zum 40. Mal. Und am Ende war der mutige Entwurf doch auch nachhaltig: Es gibt zumindest wenige olympische Sportstätten, die auch nach so langer Zeit noch so gut ins städtische Leben eingebunden sind wie die Münchner.

(Bild: flickr / helst1)

04.04.2012 | Volle Kraft voraus!

Ein neuer Stern am Politikhimmel ist aufgegangen: die Piratenpartei. Um ein wenig besser zu verstehen, was da auf uns zukommt (im Moment würden angeblich immerhin 12 Prozent der Bundesbürger die Neulinge wählen), habe ich mich vor einigen Tagen in die Mailing-Liste der Münchner Piraten eingetragen.

Mailing-Listen sind etwas Wunderbares: Man bekommt live und ungefiltert alles mit, was sich die Mitglieder einer Organisation zu sagen haben. Das kann einen bereichern, verwirren, kalt lassen oder aufregen – und bisweilen auch ziemlich amüsieren. Bis vor kurzem etwa war ich ein stiller Abonnent der Attac-Mailingliste. Dort werden nicht nur Globalisierungsthemen diskutiert – sondern bisweilen auch, ob man Radio Arabella boykottieren sollte. Nicht etwa wegen der Musik, sondern weil es einen Bundeswehr-Werbespot gesendet hat.

Auch bei den Piraten bekommt man viel Menschliches und allzu Menschliches mit. Vor allem aber – und das mag einige Kritiker verwundern – jede Menge politisches Engagement. Die von den Piraten geforderte Transparenz ist in jedem Punkt nachzuvollziehen. Völlig egal, ob man Parteimitglied ist oder nicht: Die Diskussionen werden offen geführt, Tagesordnungen zum Bearbeiten frei gegeben, AGs im Handumdrehen gegründet. Manch einer sieht im Erfolg der Piraten eine Politikverdrossenheit – ich denke, dass das Gegenteil der Fall ist. Die Menschen sind froh, dass sie endlich wirklich mitwirken dürfen, dass jedes Thema grundsätzlich erst mal ernst genommen wird, dass es eben kein Programm gibt, das alles in feste Schranken weist.

Bei der Piratenpartei ist Politik ein Prozess, der sich ständig vor den Augen aller weiterentwickelt. Ob die Piraten das durchhalten können, ob sie irgendwann doch in die üblichen Verhaltens- und Machtmuster verfallen, bleibt abzuwarten. Für's erste darf es aber nicht Wunder nehmen, dass diese neue Partei die deutsche Politik komplett umkrempelt.

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