19.07.2016 | Unbekannte aus Fernost

Architekturjournalismus Referenz

Die Generation junger Architekten nach Sanaa interessiert sich mehr als jemals zuvor für den gesellschaftlichen und regionalen Kontext. Darüber hinaus entdeckt sie den Reiz des Bauens im Bestand - und zeigt in vielen Beispielen, dass sich auch hier eine typisch japanische Haltung entwickeln könnte.

Link zum pdf-Magazin: www.baunetz.de
 

 

10.05.2016 | Der Handschlag, der keiner ist

A photo from 2003, my old laptop with my connection to the internet from yesterday

Abstract: Social-Media-Companies like Facebook and Whatsapp will continue to search for new possibilities to make money with the data from their users; particularly when their business models won't be that successful anymore. Probably they will sail close to the wind to survive - as does the german company GMX, which offers e-mail-accounts and has a lot of users, but not much income.

Es gibt die diejenigen, die schon immer davor warnen: Davor, seine Daten leichtfertig Firmen in den Rachen zu schmeißen, Payback-Karten zu nutzen, sich bei Facebook anzumelden, Twitter zu nutzen, Apple-Produkte zu kaufen. Und die anderen, die das alles für übertrieben halten, „nichts zu verbergen haben“ und daran glauben, dass in einem Rechtsstaat doch keine Gefahr besteht, mit solchen Informationen Schindluder zu treiben. Bisher bin ich zwischen diesen beiden Fraktionen geschwommen.

Eine Erfahrung, die ich zuletzt mit GMX, dem Anbieter meines Mailaccounts, gemacht habe, lässt mich allerdings mit düsteren Vorahnungen für die Zukunft zurück. Ich nutze meine Mailadresse schon seit etwa 2003. Das sind mehr als zehn Jahre – damals gab es weder Facebook, noch Whatsapp, noch Twitter, noch nicht einmal Handys, mit denen sich das Internet nutzen ließ. Statt Google habe ich als Standardbrowser Yahoo benutzt.

Der Account bei GMX kostete nichts, Geld nahm die Firma augenscheinlich durch Anzeigen ein. Dass das Geschäftsmodell heute nicht mehr trägt, liegt wohl auch daran, dass sich kaum jemand auf der Website eingeloggt, um seine Mails zu checken. Daher haben die Werbemails von GMX im Postfach in den letzten Jahren auch stetig zugenommen. So sehr, dass manche ihren Spamfilter auf diese Nachrichten ausgeweitet haben.

Kurz gesagt, die klassischen Anbieter von Mailaccounts, wie web.de, Freenet und GMX, sind nicht rentabel, verfügen aber über ein kostbares Gut: Die Mailadressen eines Großteils der deutschen Bevölkerung, der diese oft seit mehr als einem Jahrzehnt nutzt. Mit diesen Mailadressen haben sich die Nutzer in zahlreichen Anwendungen angemeldet, sie sind in den Postfächern von Freunden, Bekannten und professionellen Kontakten gespeichert. Seine Mailadresse zu ändern, ist heute oft eine größere Herausforderung, als die neue Adresse nach einem Umzug zu kommunizieren. Eine perfekte Kundenbindung also.

Kaum einer weiß, dass die drei oben genannten Firmen web.de, Freenet und GMX inzwischen zu ein und demselben Konzern gehören: zu dem Unternehmen 1&1. Dieses kauft in den letzten Jahren systematisch die Anbieter von Mail-Postfächern auf. Die ehemals unabhängigen Unternehmen gehören nun zur 1&1 Dachfirma „United Internet“. Alles gut, könnte man meinen. 1&1 will ja laut eigenen Aussagen „die hohe Qualität von deutschen Internet-Produkten … , insbesondere bei Datenschutz und Datensicherheit, Produktqualität, Zuverlässigkeit und Erreichbarkeit“ wahren.

Die Kehrseite der Medaille durfte ich vor kurzem erleben, als ich erfuhr, dass ich plötzlich einen kostenpflichtigen GMX-Account besitze, dessen Vertrag ich angeblich online abgeschlossen hatte. Selbst wenn ich versehentlich einen falschen Knopf gedrückt haben sollte – was ich nicht glaube –, ist es sehr verwunderlich, dass ich von diesem Vertrag erst erfahren habe, als ich mich über Abbuchungen von meinem Konto gewundert habe. GMX hat dafür eine Einzugsermächtigung genutzt, die ich vor vielen, vielen Jahren für die Nutzung eines SMS-Services gegeben hatte. Dieser Service besteht schon seit mehreren Jahren nicht mehr – die Einzugsermächtigung scheinbar schon.

Der Kundenservice von GMX ist offensichtlich darauf geschult, Anrufe, die sich über das Vorgehen beschweren, professionell abzublocken. Immer wieder wird betont, dass im Internet Verträge, die quasi per Handschlag abgeschlossen werden, gültig sind, und dass ich innerhalb einer Frist ja kündigen hätte können. Mein Gegenargument, dass ich von dem Vertrag nichts wusste, wird ignoriert: Ich hätte mich ja bei GMX einloggen und meinen Vertragsstatus überprüfen können.

Der Vertrag per Handschlag ist bei GMX zu einem Vertrag geworden, bei dem die Hand zum Schlag gar nicht ausgestreckt werden muss. Damit soll das Unternehmen für 1&1 vielleicht wieder rentabel werden.

Die Methoden zeigen, wie ein einst erfolgreiches Internetunternehmen, das über wenig Möglichkeiten zur Rendite verfügt, mit dem Vertrauen und den persönlichen Daten ihrer Kunden umgeht. Was passiert, wenn Facebook eines Tages von einem anderen Unternehmen in die Enge getrieben wird? Was passiert, wenn WhatsApp nach Möglichkeiten sucht, mehr Umsatz zu machen? Es geht nicht um den Augenblick, es geht um die Zukunft. Denn was in zehn Jahren ist, lässt sich beim besten Willen nicht absehen.

 

11.12.2015 | Stagnierende Eskalation

"Escalator" heißt die Rolltreppe auf Englisch, ein Gerät für eine schrittweise Steigerung also. Im Deutschen hat man sich wohl bewusst für eine niedlichere Bezeichnung entschieden: eine rollende Treppe, hui, klingt ja wie im Märchen. Und erinnert auf keinen Fall an das Wort "Eskalation", das sich mit der englischen Rolltreppe die sprachliche Wurzel teilt. Dabei erscheint mir der Zusammenhang zwischen Rolltreppe und Eskalation bisweilen recht sinnig zu sein, zumindest dann, wenn erstere nicht eskaliert, sondern beharrlich vor sich hin stagniert. Solche Stagnatoren finden sich freilich überall. Aber in Düsseldorf scheint sich hinter stehenden Rolltreppen ein System zu verbergen, dass sich mit der Liebe zu Oxymora allein nicht begründen lässt. So weist der Ein- und Ausstieg in Bahnen und Züge in der nordrheinwestfälischen Landeshauptstadt durchaus einmalige Tücken auf. Und die neue Rolltreppe am Wehrhahn lässt sich zwar seit ungefähr einem Monat endich benutzen, wurde aber zuvor durch eine fast einjährige Stagnationsphase eingeweiht. Bisweilen sah man dann an besagtem S-Bahnhof eine Gruppe Männer mit neonfarbenen Westen, die ratlos vor der Rolltreppe standen. Einmal sprach ein Passant sie an: "Liegt hier ein Goldschatz begraben?" Worauf einer der Männer antwortete: "Nein, aber haben Sie hier die Pflastersteine verlegt?" Der Dialog ließ mich ratlos zurück. Der Kulturunterschied? Sicherheitshalber habe ich die Pflastersteine fotografiert. Wer weiß, vielleicht handelte es sich bei der stehenden Rolltreppe am Wehrhahn ja um eines der größeren Rätsel der Menschheit?

11.11.2015 | Bauen für Flüchtlinge


(Bild: Progetto C.A.S.E., L'Aquila; Copyright: RUATTISTUDIO ARCHITETTI s.r.l.)

Noch fehlen die großen Visionen: Architektenkammern, Institutionen wie das DAM und Medien wie die Bauwelt sind auf der Suche nach Konzepten, die aufzeigen, wie für die Menschen, die 2015 als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und kommen, schnell und dennoch nachhaltig Wohnraum geschaffen werden kann. In diesem Zusammenhang ist mir ein Beitrag in die Hände gefallen, den ich 2012 für das Schweizer Magazin tec21 verfasst habe: Darin geht es um zwei beispielhafte Projekte, die nach Erdbeben-Katastrophen in Japan beziehungsweise Italien geschaffen wurden. Architektur für Menschen, die aus Ihrer Heimat fliehen mussten, und Architektur für Menschen, die ihr gebautes Heim verloren haben und daher eine neue Unterkunft benötigen, entsteht unter derselben Prämisse: Es muss schnell und kostensparend gebaut werden, dennoch sind Bauten gefragt, die Schutz versprechen und dazu beitragen, sich zuhause zu fühlen. Der komplette Beitrag "Wohnen auf Zeit" ist auf dem Portal nextroom zu lesen, den letzten Absatz poste ich hier, da er meiner Meinung nach auch für das Bauen für Flüchtlinge gilt:

"Die beiden Projekte ... haben einiges gemeinsam: Sie wurden in sehr kurzer Zeit entworfen und realisiert, sind ganz oder in Teilen vorgefertigt und haben eine ähnliche Struktur. Beide Projekte sind nicht von professionellen Krisenmanagern, sondern von Architektinnen und Architekten initiiert worden. Angesichts der Überforderung oder des Ungenügens der offiziellen Planungsinstanzen sind sie eigene Wege gegangen, um rasch zu helfen und unter erschwerten Bedingungen mehr als das Minimum an Lebensqualität zur Verfügung zu stellen. Angesichts des Ausmasses der Zerstörungen entsprechen die beschriebenen lokalen Projekte dem sprichwörtlichen Tropfen auf den heissen Stein; für die Umsetzung im grossen Massstab fehlen den Initianten (noch) die Mittel und der politische Einfluss. Wenn sich die Unterkünfte während einiger Jahre bewähren, ist die Hoffnung berechtigt, dass derartige Bauten breite Anerkennung finden und zu Standards für die Unterbringung von Katastrophenopfern werden. Für ihre Akzeptanz ist es wichtig, dass sie die lokalen kulturellen, topografischen und klimatischen Gegebenheiten berücksichtigen; deshalb kann es keine uniforme globale Lösung für die Architektur nach Katastrophen geben."

02.11.2015 | Japan und bezahlbarer Wohnraum

Architekturjournalismus Panorama Tokio

"Bezahlbarer Wohnraum" - der Titel des Wohnprojektetags Bayern 2015 widmete sich einem Thema, das gerade in München vielen Kopfzerbrechen bereitet. Ein Blick in andere Länder kann dabei oft befreiend und inspirierend wirken. Eine Zusammenfassung der Veranstaltung inklusive meines Beitrags "Von Japan lernen?" wurde Ende August in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht und ist hier online zu finden.     

 

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